Bad Gögging im Porträt

Von der Römertherme zur modernen "medizinischen Vorsorge"

Historisches

Wie Bad Gögging zur Römerzeit, vor 2000 Jahren, geheißen hat, wissen wir leider nicht. Aber dass hier im Ort eines der größten römischen Staatsbäder nördlich der Alpen lag, ist durch umfangreiche Ausgrabungen längst bewiesen. Mindestens 1500m² umfasst der antike Badebereich, der bisher von den Archäologen ans Tageslicht gebracht wurde. Ein großer Rest allerdings ist noch unter den Häusern des heutigen Ortes verborgen. Die Römer legten auf Badekultur großen Wert und maßen der Kur als Heilmittel eminente Bedeutung zu. Da kamen die Schwefelquellen von Bad Gögging gerade recht. Denn sie wirkten - und wirken - sich segensreich vor allem auf Gelenkprobleme aus, mit denen die römischen Soldaten in ihrem harten Lagerleben intensiv zu kämpfen hatten. Deswegen zahlte auch die Staatskasse einen guten Teil der Baukosten und sogar die Kaiser legten aus ihrer Privatschatulle noch etwas darauf, um die Thermen schön und nutzbringend auszugestalten. Gäste dieser Thermen waren sicher die Besatzung des nahen Kastells Eining, die bis von den britischen Inseln nach Bayern versetzt worden war und später die Legion, die seit 179 nach Christus in Castra Regina, dem heutigen Regensburg, stationiert war und zeitweilig ein Baulager im nahen Unterfeld belegt hatten. Außerdem sicher viele Reisende, die auf den Straßen oder auf der Donau unterwegs waren und im Hinterland des Limes, der im Ortsteil Hienheim seinen Anfang nahm, zu tun hatten.

Schwefelwasser - seit 2000 Jahren

Was bisher von der Therme ausgegraben wurde, ist im Badmuseum zu sehen, das in der romanischen Kirche St. Andreas eingerichtet wurde. Sie wurde an Stelle eines noch älteren frühchristlichen Kultraums direkt über dem großen, von Hypokausten beheizten Becken der Thermenanlage errichtet. Diese Besiedlungsschichten beweisen die historische Kontinuität des Ortes auch über die Wirren der nachrömischen Zeit hinweg. Bereits 823 taucht er als "Keckinga" wieder auf, ein Name, der auf den Quellenreichtum der Gegend hinweist. Es spricht vieles dafür, dass die Schwefelquellen mindestens seit der Römerzeit bis heute ständig genutzt wurden. Hinweise darauf finden wir auch im Mittelalter. 1470 etwa benützte Herzog Ludwig der Reiche das Bad - offenbar mit gutem Erfolg. In den langen Kriegswirren des 17. und 18. Jahrhunderten war es mit dem Baden nicht weit her. Sichere Nachricht haben wir erst wieder vom beginnenden 20. Jahrhundert, als 1910 die Schwefelquelle als Heilquelle offiziell anerkannt und vom Ministerium mit ein Landschaftsschutzbereich gesichert worden war. 1919 war es dann so weit: die Heilkraft der Schwefelquelle führte zur offiziellen Genehmigung, "dass die Gemeinde und der Ort Gögging, Bezirksamt Kelheim, künftig den Namen "Bad Gögging" führen" dürfe.

Mit der Vermarktung ging es allerdings zäh voran. Noch 1926 zählt die Gemeinde in einem Bericht nur 5 Fremdenverkehrsnutznießer auf, "und zwar zwei Badebesitzer, einen Masseur, einen Bademeister und eine Kellnerin". Deshalb auch wurde die Erhebung einer Kurförderungsabgabe nicht genehmigt. Immerhin wurde 1933 ein Verschönerungsverein auf die Beine gestellt.

dreifach g'sund

Doch richtig aufwärts ging es erst nach dem 2. Weltkrieg. Jetzt war die Entwicklung Bad Göggings zum Kurort nicht mehr aufzuhalten. Und sie ist eng verknüpft mit dem unermüdlichen Antreiber Pfarrer Karl Rüth, auf dessen Wirken die Gründung der "Kurzentrum Bad Gögging GmbH" im Jahr 1971 und des aus ihr entstandenen "Zweckverbandes Bad Gögging" zurückzuführen ist. Auf sein Betreiben wurde zunächst eine weitere Schwefelwasserbohrung niedergebracht, die in 80 Metern Tiefe fündig wurde. Im Jahr 1977 förderte eine weitere Bohrung in einer Tiefe von 650 Metern das Heilwasser einer "Natrium-Hydrogencarbonat-Chlorid-Therme" zu Tage. Voraussetzung für ein modernes Kurmittelhaus (1978) und der 1979 eingeweihten Limes-Therme, deren ursprünglich 364 m² Wasserfläche im Laufe der Jahre auf 15 Frei- und Hallenbecken mit einer Gesamtwasserfläche von mehr als 1250 m² ausgebaut wurde. Das heute in getrennten Bereichen sowohl der Therapie, als auch der Erholung dient und ständig den Erfordernissen der Zeit angepasst wird. 1999 zum Beispiel eröffnete die Römersauna in einem nachgebauten römischen Wachturm. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das dritte natürlich vorkommende Heilmittel von Bad Gögging erschlossen: das Heiligenstädter Moor, dessen Kapazitäten vorausblickend durch den Mooraushub im Ottmaringer Tal, das dem Ausbau des Main-Donau-Kanales weichen musste, ergänzt wurden. Mehr als 330.000 m³ Torf wurden nach Bad Gögging gebracht und auf 50 Hektar Grund fachmännisch gelagert. Ein Vorrat, der die Behandlung mit dem gesunden Moor über lange Zeit sichert. Und eine Abrundung des Kurangebots, das die Bezeichnung "dreifach g'sund" in jeder Beziehung verdient und in den modernen Gesundheitsvorsorgebereich der "medical care" hineinträgt.

Was würden die Römer von einst wohl sagen, wenn Sie zu Gast im heutigen Bad Gögging wären?